Strahlung und Schutz bei Glasfassaden – Kontrolle von Licht und Wärme
Glasfassaden ermöglichen den Einfall von natürlichem Tageslicht in ein Gebäude, stellen jedoch gleichzeitig einen Übertragungsweg für Sonnenstrahlung, Wärme und UV-Strahlen dar. Die Kontrolle der Strahlung durch Glasfassaden ist zu einem zentralen Bestandteil der Energieeffizienz und des Schutzes von Innenräumen geworden. Abhängig von Standort, Ausrichtung, klimatischen Bedingungen und Nutzung des Gebäudes werden unterschiedliche Glasarten gewählt, um die Strahlung zu steuern und den Innenraum vor Überhitzung, UV-Schäden und Energieverlusten zu schützen.
Die Kontrolle der Strahlung bei Glasfassaden ist entscheidend für Energieeffizienz, Langlebigkeit der Innenausstattung und Nutzerkomfort. Durch die richtige Auswahl von Gläsern mit niedrig emittierenden, reflektierenden und UV-schützenden Schichten wird ein optimaler Ausgleich zwischen Tageslicht, Wärmekontrolle und Schutz erreicht. Die technischen Eigenschaften müssen zertifiziert und normkonform sein, und die Systeme fachgerecht montiert werden, um den angegebenen Schutzgrad sicherzustellen.
Arten der Strahlung mit Einfluss auf Fassaden
Die Sonnenstrahlung besteht aus drei Komponenten, die für Glasfassaden relevant sind:
- Ultraviolette (UV) Strahlung: verantwortlich für das Ausbleichen von Möbeln, Materialschäden und teilweise für die Wärmeübertragung
- Sichtbares Licht (VIS): sorgt für die Beleuchtung der Räume, trägt jedoch auch zu Blendung und Überhitzung bei
- Infrarotstrahlung (IR): Hauptquelle der Wärme, die zur Erwärmung der Innenoberflächen führt
Strahlungsschützende Verglasungen
Moderne Fassadengläser verfügen über spezielle Beschichtungen oder Strukturen, die bestimmte Komponenten der Sonnenstrahlung filtern. Ziel ist es, Tageslicht hereinzulassen, gleichzeitig jedoch UV- und IR-Strahlen zu blockieren, die die Energiebilanz des Gebäudes negativ beeinflussen.
- Low-E-Glas (niedrig emittierend): reflektiert im Winter Wärmestrahlung zurück in den Innenraum und reduziert im Sommer den Wärmeeintrag von außen
- Sonnenschutzglas (Solar-Control): besitzt reflektierende Beschichtungen, die einen Teil der Sonnenstrahlung, insbesondere IR-Wellen, abweisen
- UV-filterndes Glas: speziell behandeltes Glas, das bis zu 99 % der UV-Strahlung filtert
- Reflektierendes Glas: mit einer Metallschicht beschichtet, die einen Teil des sichtbaren und infraroten Lichts reflektiert
Kennwerte zur Beschreibung des Strahlungsschutzes
Bei der Auswahl von Fassadenglas werden bestimmte Parameter verwendet, um den Sonnenschutz zu quantifizieren:
- g-Wert (Solarfaktor): gibt die gesamte solare Energieübertragung durch das Glas an. Niedrigere Werte bedeuten geringeren Wärmeeintrag.
- U-Wert: Wärmedurchgangskoeffizient; niedrigere Werte stehen für bessere Dämmung.
- TL (Lichttransmission): Anteil des sichtbaren Lichts, der durch das Glas hindurchtritt, in Prozent.
- UV-Transmission: Menge der UV-Strahlung, die durch das Glas gelangt.
Schutz von Nutzern und Innenraummaterialien
Strahlung beeinflusst nicht nur die Energiebilanz des Gebäudes, sondern auch Materialien, die Gesundheit der Nutzer und den Innenraumkomfort. UV-Strahlung kann zum Ausbleichen von Möbeln, Böden, Textilien und Kunstwerken führen. Infrarotstrahlung verursacht lokale Überhitzung und erhöht die Belastung der Kühlsysteme.
- UV-Schutzgläser verhindern Schäden an der Innenausstattung
- Sonnenschutzgläser reduzieren den Bedarf an Klimatisierung
- Low-E-Gläser verbessern den gesamten thermischen Komfort
Kombination von Schutzschichten und Mehrscheibenverglasung
In der Praxis werden kombinierte Isolierglaseinheiten verwendet, die mehrere Schutzfunktionen integrieren. Beispielsweise bietet eine Zweifachverglasung mit einer Low-E-Schicht und einer Sonnenschutzschicht wirksamen Schutz unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen.
- Einsatz in Bürogebäuden, Wohnhäusern, Schulen und Krankenhäusern
- Kombination mit Schallschutz- und Sicherheitsfunktionen möglich
- Kompatibel mit allen Fassadensystemen (strukturell, Spider, hinterlüftet)
Normen und technische Dokumentation
Gläser mit Strahlungsschutz müssen gemäß den geltenden europäischen Normen geprüft und deklariert sein:
- EN 410 – optische und solare Eigenschaften von Glas
- EN 673 – Wärmedurchgang von Verglasungseinheiten
- EN 1279 – Leistungsanforderungen an Isolierglaseinheiten
- EN 1096 – beschichtetes Glas für Low-E- und Sonnenschutzfunktionen
